Frau mit Skoliose - deformierte Wirbelsäule

Skoliose erkennen und behandeln: Das sollten Betroffene wissen

Was ist Skoliose?

Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule, die in verschiedenen Lebensphasen auftreten kann. Am häufigsten entwickelt sie sich aber im Kindes- oder Jugendalter. Oft ist keine eindeutige Ursache erkennbar; in diesen Fällen spricht man von einer idiopathischen Skoliose. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein: Manche Betroffene bemerken nur eine leichte Fehlstellung, bei anderen sind Haltung, Beweglichkeit und im fortgeschrittenen Verlauf sogar die Funktion von Organen beeinträchtigt. Da sich die Verkrümmung häufig schleichend entwickelt, wird Skoliose in manchen Fällen erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.

 

Welche Symptome treten auf?

Zu den typischen Anzeichen gehören eine schiefe Schulter- oder Beckenstellung, ungleich sitzende Kleidung und ein sichtbarer Rippenbuckel beim Vorbeugen. Anfangs bleibt eine Skoliose oft unbemerkt oder zeigt sich nur durch Rückenschmerzen nach längerem Sitzen oder Stehen. Mit zunehmender Krümmung können Muskelverspannungen, Schmerzen und eine stärkere Fehlbelastung des Rückens hinzukommen. In schweren Fällen kann die Verkrümmung auch die inneren Organe belasten.

 

Wie kann man Skoliose behandeln?

Die Behandlung richtet sich nach Alter des Betroffenen, dem Schweregrad der Verkrümmung und der zugrundeliegenden Ursache. Ziel ist es, das Fortschreiten der Krümmung zu bremsen, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. Folgende therapeutische Ansätze haben sich dabei bewährt:

Schroth-Therapie:

Bei dieser speziellen krankengymnastischen Methode korrigieren Therapeuten aktiv die Fehlhaltung und Betroffene lernen, die korrekte Körperposition bewusst wahrzunehmen. Eine besondere Atemtechnik – die sogenannte Dreh-Winkel-Atmung – unterstützt dabei die Haltungskorrektur. Die Übungen lassen sich auch gut zu Hause weiterführen.

Vojta-Therapie:

Durch gezielte Druckreize an bestimmten Stellen an Armen, Beinen und Rumpf werden Muskelreflexe aktiviert, die die Wirbelsäule stabilisieren und aufrichten sollen.

Klassische Physiotherapie & Massagen:

Regelmäßige Krankengymnastik stärkt die Rückenmuskulatur und wirkt der Verdrehung der Wirbel entgegen. Ergänzende Massagen helfen dabei, Verspannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern.

Sport & Bewegung:

Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Klettern stärken die Rückenmuskulatur und sind sowohl zur Vorbeugung als auch begleitend zur Therapie empfehlenswert. Ruckartige Sportarten, die die Wirbelsäule zusätzlich belasten, sollten hingegen vermieden werden.

In sehr schweren Fällen, wenn innere Organe beeinträchtigt werden oder die Krümmung stark fortschreitet, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Dabei werden die betroffenen Wirbel mithilfe von Metallstäben begradigt und teilweise versteift.

 

Welche Hilfsmittel gibt es?

Neben aktiven Therapieformen gibt es eine Reihe von orthopädischen Hilfsmitteln, die Betroffene im Alltag unterstützen und das Fortschreiten der Skoliose bremsen können:

Skoliose-Korsett:

Das Korsett ist ein zentrales passives Hilfsmittel bei Skoliose. Es wird individuell angepasst und übt gezielt Druck auf bestimmte Punkte der Wirbelsäule aus, um eine weitere Verkrümmung zu verhindern. Zusätzlich wirkt es derotierend (in die Gegenrichtung drehend) und trägt dazu bei, die Verdrehung der Wirbelsäule zu korrigieren. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, wird es häufig eingesetzt. Das Korsett wird regelmäßig nachjustiert und so lange getragen, bis das Wirbelsäulenwachstum abgeschlossen ist.

Orthopädische Einlagen:

Liegt der Skoliose eine funktionelle Ursache wie eine Beinlängendifferenz zugrunde, können maßgefertigte Einlagen helfen, das Ungleichgewicht im Becken auszugleichen und so die Wirbelsäule zu entlasten.

Orthesen:

In bestimmten Fällen kommen weitere stützende Orthesen zum Einsatz, die einzelne Wirbelsäulenabschnitte gezielt stabilisieren und entlasten.

 

Wie kann man Skoliose vorbeugen?

  • Frühe Diagnose im Kindes- und Jugendalter ist entscheidend
  • Haltungsschäden bei Kleinkindern frühzeitig abklären lassen
  • Beinlängendifferenzen durch orthopädische Einlagen ausgleichen
  • Einseitige Belastung (z.B. schwere Taschen auf einer Schulter) vermeiden
  • Regelmäßige Bewegung im Alltag fördern

 

Mit der richtigen Therapie, gezielter Bewegung und passenden Hilfsmitteln lässt sich das Fortschreiten der Skoliose in vielen Fällen aufhalten und ein weitgehend beschwerdefreies Leben ermöglichen. Bei Verdacht auf Skoliose empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.

 

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