Wir wollen pflegende Angehörige entlasten

Bei Inkontinenz gibt es vielfältige Hilfen. In Kulmbach ist Margot Schütz vom mediteam der richtige Ansprechpartner. Hunderte Menschen haben bei ihr bereits Rat gefunden.

Deutschlandweit sind zehn Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Doch viele scheuen sich, über ihr Problem zu sprechen. Und selbst wenn sie sich einem Arzt anvertraut haben, wissen sie - oder ihre Angehörigen, die sie pflegen - oft nicht, wo sie die Hilfsmittel herbekommen, die ihnen verschrieben wurden. Ihre Anlaufstelle in Kulmbach ist Margot Schütz von mediteam. Das Homecare-Unternehmen berät kostenlos bei Inkontinenz, vermittelt die richtigen Ansprechpartner, arbeitet mit dem jeweiligen Hausarzt oder Urologen zusammen und schnürt auf Wunsch ein Rundum-Sorglos-Paket, das von der Belieferung mit Hilfsmitteln bis hin zur Abrechnung mit der Krankenkasse reicht.

 

Warum ist es so schwierig, an die vom Arzt verschriebenen Hilfsmittel zu kommen?

Weil es sie weder in der Apotheke noch in allen Sanitätshaus gibt. Man muss Vertagspartner der jeweiligen Krankenkasse sein. Oft genug rennen Leute von Pontius zu Pilatus, weil sie nicht wissen, wo sie ihr Rezept einlösen können. Wenn sie Glück haben, werden sie beispielsweise von Apotheken, die uns kennen, gleich zu uns geschickt. Wir kümmern uns dann um die Bereitstellung des benötigten Materials und beraten die Patienten oder deren Angehörige in ihren eigenen vier Wänden, wie sie die Hilfsmittel benutzen können. Leider wissen oft selbst manche Krankenkassen nicht, wo der Patient sein Rezept einlösen kann, beziehungsweise dass es eine Stelle wie mediteam in Kulmbach gibt, an die man sich wenden kann.

 

Inkontinenz - da denkt man zuerst an diese Einlagen, die ja immer im Fernsehen beworben werden. Gibt es da noch mehr?

Natürlich. Nehmen wir zum Beispiel den klassischen Fall von der Frau, die ihren Mann zu Hause pflegt. Wenn er jetzt jede Nacht sechs, sieben Mal auf die Toilette muss, kann sie keine Nacht mehr durchschlafen und ist irgendwann wie gerädert. Aber das muss nicht sein, denn es gibt sogenannte Urinal-Kondome. Mit deren Hilfe wird der Urin nachts vorübergehend in einen Beutel umgeleitet, der Mann muss nicht mehr aufstehen und es herrscht Ruhe. Das Urinal-Kondom kann aber natürlich auch tagsüber eingesetzt werden. Wenn der Mann vielleicht nicht mehr sicher mobil ist, steht die Frau oft ständig unter Stress. Weil sie bei Besorgungen immer im Hinterkopf hat, dass sie schnell wieder zu Hause sein muss, damit sie ihn zur Toilette begleiten kann. Das ist unser Ansatz. Wir wollen vor allem pflegende Angehörige entlasten, die Ungeheures leisten. Für sie ist es wichtig, dass sie einen Ansprechpartner haben, denn für viele Probleme gibt es eine Lösung. Wir nehmen ihnen viele Wege ab, indem wir uns um die Beschaffung des Materials kümmern, und wir beraten.

 

Zahlen diese Hilfsmittel die Krankenkassen?

Ja, aber man muss Vertragspartner der jeweiligen Kasse sein. Deshalb frage ich auch immer nach der entsprechenden Krankenkasse. Wir haben den Überblick, welche Kasse was bezahlt. In den meisten Fällen müssen die Patienten dann nur ihren gesetzlichen Eigenanteil übernehmen. Es sei denn, sie sind von der Zuzahlung befreit, dann müssen sie gar nichts bezahlen. Wir hatten aber auch schon Fälle, in denen Inkontinenz-Patienten über ihre Kasse nur eine "Light-Versorgung" hatten, und sie die Hilfsmittel dann aus eigener Tasche bezahlt haben.

 

Warum legen Sie so großen Wert auf Hausbesuche?

Erstens ist es für viele Menschen angenehmer über ein Problem wie Inkontinenz zu sprechen, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung sind. Und zweitens kann ich mir dann auch einen Eindruck von den räumlichen Gegebenheiten verschaffen. Wenn die Patienten pflegebedürftig sind, ist es wichtig zu wissen, wie ihre Umgebung aussieht, damit ich die passenden Hilfen aussuchen kann. Und es werden eben immer mehr Menschen pflegebedürftig, weil die Bevölkerung immer älter wird.

 

Betrifft das Problem Inkontinenz nur alte Menschen?

Nein, selbstverständlich nicht. Umgekehrt gibt es nämlich zunehmend wieder mehr bettnässende Kinder. Das liegt vorwiegend daran, dass die psychischen Belastungen für Kinder wachsen. Durch Stress in der Schule zum Beispiel. Auch hier beraten wir. In unserem Hauptsitz in Hallstadt/Bamberg arbeitet meine Kollegin Frau Wilharm, die Uro-Therapeutin ist und jeden Donnerstag eine Sprechstunde anbietet, die in solchen Fällen weiterhelfen kann. Inkontinenz kann aber auch junge Frauen nach einer Schwangerschaft treffen, wenn sie keine Rückbildungsgymnastik gemacht haben oder einen schwachen Beckenboden haben. Da kann es dann vorkommen, dass man beim Husten oder Niesen Urin verliert.

 

Können sich auch Menschen ohne ärztliche Diagnose an Sie wenden?

Zu uns kann jeder kommen, der Probleme mit jeglicher Art von Inkontinenz hat (es gibt auch Stuhlinkontinenz). Wir besprechen dann das gemeinsame Vorgehen. Viele Menschen scheuen sich, zum Arzt zu gehen, weil sie befürchten, dass sie gleich einen Katheter verpasst bekommen. Das stimmt aber so nicht. Unser Ziel ist es, so weit wie möglich einen Katheter zu verhindern. Wenn es aber nicht mehr ohne geht, helfen wir natürlich auch diesen Patienten. Wir vermitteln beispielsweise Fachpersonal, das den Katheter wechselt. In der Regel kann dies ein Pflegedienst übernehmen. Das ist aber nur möglich, wenn der Hausarzt oder Urologe zustimmt. Weshalb wir immer eng zusammenarbeiten.

 

Und wie sieht es aus, wenn die Menschen "nur" Einlagen brauchen?

Auch da gibt es erfahrungsgemäß Beratungsbedarf. Spätestens dann, wenn die Leute im Drogeriemarkt vor drei Regalreihen stehen, und nicht wissen, welches Produkt für sie das richtige ist. Wir selbst haben zwar keine sogenannten aufsaugende Inkontinenzhilfen, also Windeln. Da müssten wir ein Warenlager vorhalten, das dreimal so groß wie der Real-Markt ist. Aber wir vermitteln an Kooperationspartner, die hier weiterhelfen.

 

Ratsuchende wenden sich am besten telefonisch unter der Nummer 09221/6059065 an die Homecare-Pflegeberaterin und examinierte Krankenschwester Margot Schütz, um einen Beratungstermin zu vereinbaren.